| Hexentreffen Kommt zur Johannisnacht Kommt an die Oligmühle Wer sich noch heut' aufmacht, nach Obermennig, ziele gut auf den Landeplatz! Jungherren, schmuck und fein herausgeputzt zum Tanzen Geißfüße, Klauen, ein- ander nicht grün, die tranken schon 'was vom Hexenwein Weiblein im Waldkostüm - Schwungfedern, Besenstiele Schlangenhaut, blau geblümt - treiben sich an der Mühle 'rum, werden ungestüm Rufian im grünen Rock Gorbian im blauen Kleide spielen den geilen Bock rücken sich selbst zu Leibe kaum ist verstummt die Glock' "Ich bin der Moselwein" "Ich bin der Rheinwein - klagen wir seinen Ruhm hier ein" Welcher denn? Darum schlagen sie sich die Köpfe ein Ein jeder eilt hinaus Keinen hält es beim Mahle Als ein erschrecklich' Rauf- en und Geschrei im Tal er- tönt, setzt die Musik aus Ist eine Hexe tot liegen geblieben, hieß es War eine Frau in Not daß sie gestehn sollt, dieses Mal sah ihr Richter rot Mitte des Paradieses war Anna Fiedler tot |
![]() Kupferstich (Ausschnitt) von einem "Hexensabbat", 1594 (s. auch das "Hexerlied" von der CD 'Trierer Venus' - und schon auf den MCs 'Narrenfreiheit' bzw. im Liederbuch/Umschlagsgrafik - zum Prozeß gegen Dr. Dietrich Flade, Trier). Da kommt der Teufel mit einer "Hexe" an seiner Seite in einer Kutsche auf dem Tanzplatz vorgefahren; ihr werden die Schamhaare weggeschnitten, dann wird der Ziegenbock die succuba (d.i. die Darunterliegende) besteigen... Derweil sauffen die Reichen aus gulden Kopffen (Pokalen), aus Kuhklawen (Rinderhufen) die armen Tropfen. Auf dem Baum sitzt ein Rabe und ein Spielmann dudelt auf dem Sack... Unglaublich, was die fanatischen Verfechter des Zölibats doch für lüsterne Vorstellungen hegten. |
Im Folterprotokoll der Anna Fiedler, Trier, steht, daß die "Delinquentin" (unter Todesqualen) ausgesagt habe, "bei dem Hexenmahl und Tanz vom 24. Juni (1587) seien zwei Teufel (an der Obermenniger, nicht der Niedermenniger Ölmühle, im Konzer Tälchen) erschienen, der eine in grünem, der andere in blauem Rock, schmucke Jungherren, aber mit Geißfüßen und Klauen; waren allbereit bei Beginn des Mahles sichtbarlich betrunken." Diese beiden Teufel seien in ernstlichen Streit geraten, ob der Rheinwein oder der Moselwein besser sei; auch die Hexen seien darüber verschiedener Meinung gewesen, und so hätten sich Parteien gebildet und es wäre "ein schrecklich Raufen und Schlagen" entstanden, bis einer der Teufel, Rufian mit Namen, eine der Hexen mit einem Katzenschwanz, auf dem bisher der Fiedler zum Tanz geblasen, erbärmlich zu Tode geschlagen habe: "und wird noch wohl jetzund auf dem Platze liegen, so er sie nicht etwan weggeholt hat." Schließlich siegte der Moselwein über den Rheinwein, denn der Verteidiger des ersteren "verblieb beim Tanze, währenddem der andere mit großem Geheul und einem abscheulichen Gestank hinter sich durch die Lüfte davonflog." (Quellenhinweis: Prof. Dr. Irsigler, Uni Trier/Geschichte. Merci, monsieur.) Das Lied ist eingebettet in ein frz. Volkslied zum Johannistagsbrauch, in der Nacht des 24. Juni (natürlich in Anlehnung an die heidnischen Mittsommersonnenwendfeiern) Hand in Hand über ein Feuer zu springen, wenn man sich verloben wollte; neu gedichtet in Konzer-Delsches-Platt (Nr. 15 "Gehannsdaachsdanz"); gefolgt von einer Originalstrophe (Nr. 17 "Voici la Saint-Jean", wie von der Gruppe Malicorne überliefert): Heut ist St.-Johannis-Tag, wo alle Liebenden zur Versammlung gehen: Liebchen, gehn wir auch nachsehen, ob der Mond schon aufgegangen ist! (2. 3. Str. neu:) Der Schatten auf deinem Herzen, reizende Schöne, wird mir nicht Angst machen, noch deine dammischen Teufel (von einst)... Könnte ich doch mit meiner gar nicht starken Hand all die Dämonen der Vergangenheit verscheuchen, die ganze Kohorte einfach wegwischen! Liebchen, gehn wir... |
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